23.04.2010   Wasserstraßen-Neubauamt Berlin
Verlängerung und Instandsetzung der Schleuse Kersdorf

Die Schleuse Kersdorf ist das westliche Abstiegsbauwerk für die Scheitelhaltung der Spree-Oder-Wasserstraße (bei SOW km 89,73). Die mittlere Hubhöhe der Anlage mit zwei Schleusenkammern beträgt 2,87 m.
Die Südkammer wurde im Zuge des Baus des Oder-Spree-Kanals im Jahr 1890 erbaut und kann von Wasserfahrzeugen bis 67 m Länge und 8,25 m Breite durchfahren werden. In den 1920er Jahren wurde, zur Vergrößerung der Nutzlänge, das Stemmtor im Unterhaupt durch das heute landschaftsbildprägende Hubtor ersetzt. Die 1904 fertig- gestellte Nordkammer verfügt über nutzbare Abmessungen von 57 m Länge und 9,68 m Breite. Aufgrund ihres hohen Alters sind beide Schleusen baufällig, so dass eine Schleusenkammer planmäßig grundhaft instand gesetzt werden muss.
Gleichzeitig genügen die nutzbaren Abmessungen beider Schleusenkammern nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Güterverkehr. Güterschiffe bis 67 m Länge entsprechen dem Standard der 1930er Jahre und sind heute kaum noch am Markt verfügbar. Neubauten in dieser kleinen Schiffsgröße können nicht wirtschaftlich betrieben wer-den und werden daher nicht mehr auf Kiel gelegt. Ohne Anpassung der Schleusen an die heute im Markt üblichen und wirtschaftlich zu betreibenden Schiffsgrößen würde der Industrie- und Gewerbestandort Eisenhüttenstadt den Anschluss an das transeuropäische Binnenwasserstraßennetz verlieren.
Die Bedeutung des Standortfaktors Wasserstraße für Industriestandorte zeigt sich aktuell gerade wieder an einer Großinvestition der Progroup AG. Mit einem Investitionsvolumen von 630 Mio. € entsteht in Eisenhüttenstadt bis zum Jahr 2010 die größte Papierfabrik Deutschlands für Wellpappenrohpapier. Bis zu 850.000 t Altpapier sollen der neuen Fabrik zur Verarbeitung zugeführt und bis zu 650.000 t Produkte vertrieben werden. In der Fabrik werden 175 neue Arbeitsplätze entstehen, im Umfeld wird mit weiteren 500 neuen Arbeitsplätzen bei Zulieferern und Dienstleistern gerechnet. Angesichts solcher Ansiedlungserfolge gewinnt die Ertüchtigung der Spree-Oder-Wasserstraße wieder zunehmend an Bedeutung.
Mit dem Ziel, die Standorte entlang der Spree-Oder-Wasserstraße weiter nachhaltig an das transeuropäische Binnenwasserstraßennetz an-zubinden, werden durch den Bund nach und nach alle Schleusen am Oder-Spree-Kanal so ertüchtigt, dass sie künftig auch von modernen Motorgüterschiffen bis 115 m Länge genutzt werden können.
Die nicht mehr benötigten Schleusen an der Staustufe Große Tränke (SOW km 68,75) wurden bereits im Jahr 2004 ersatzlos zurückgebaut. Im Jahr 2003 erfolgte die grundhafte Instandsetzung und Verlängerung der Schleuse Wernsdorf (SOW km 47,60). Nach dem nun gestarteten Umbau der Schleuse Kersdorf (SOW km 89,73) fehlt dann nur noch der Umbau der Schleuse Fürstenwalde (SOW km 74,75, zurückgestellt).
Im Ergebnis verschiedener Voruntersuchungen soll an der Staustufe Kersdorf die Nordkammer grundhaft instandgesetzt und in Richtung Osten verlängert werden. Die neue Kammer erhält eine nutzbare Länge von 115 m, die nutzbare Breite von 9,68 m wird beibehalten. Allein durch die größere Schleusenlänge verringert sich die Schleusungszeit, z. B. für die heute verkehrenden Schubverbände von 135 auf 49 Minuten. Motorgüterschiffe bis 115 m Länge können die Schleuse Kersdorf allerdings vorerst nur aus Richtung Osten erreichen. Erst mit dem Neu-bau der Nordkammer der Schleuse Kleinmachnow und einem Neubau der Schleuse Fürstenwalde wird dann auch der Weg frei in Richtung Hamburg, Bremen und Rotterdam sowie Rhein aufwärts bis nach Basel.
Für die Grundinstandsetzung der Nordkammer müssen die maroden Schleusenkammerwände teilweise abgebrochen und neu aufbetoniert werden. Die Verlängerung der Schleusenkammer in Richtung Osten erfolgt dann in Spundwandbauweise. Das alte Oberhaupt der Schleuse wird abgerissen und durch einen nach Osten verschobenen Neubau ersetzt. Der obere Vorhafen wird entsprechend der verlängerten Schleuse ausgebaut und erhält eine Warte- und Koppelstelle für die Berufsschifffahrt sowie eine gesonderte Wartestelle für Sportboote. Alle Baumaßnahmen wurden mit Planfeststellungsbeschluss P-143.3-Bln/13 der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost vom 23.11.2006 genehmigt. Unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft werden durch Ersatz-anpflanzungen vor Ort sowie über die Flächenagentur Brandenburg GmbH ausgeglichen.
Für die Dauer des Umbaus der Nordkammer steht der Schifffahrt in den Jahren 2010 und 2011 nur die alte Südkammer mit nutzbaren Abmessungen von 67 m x 8,25 m zur Verfügung. Nach Inbetriebnahme der umgebauten Nordkammer wird die Südkammer stillgelegt.
Die Bauzeit beträgt ca. 24 Monate, zzgl. 6 Monate Probebetrieb. Die Gesamtprojektkosten in Höhe von rd. 14 Mio. € trägt der Bund.

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