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10.08.2009 Meppener Tagespost
Langsam, aber stetig ans Ziel
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Einigermaßen komplett hatte sie schon am Freitagnachmittag ausgesehen – die stählern eleganten Brückenbögen thronten meterhoch über dem Montageplatz, die Stäbe waren für das Einschwimmen vorübergehend verstärkt worden. Am Ende der Bauarbeiten wird die Helter Brücke noch Ihren endgültigen stahlblauen Anstrich erhalten – so wie die Hasehubbrücke kanalabwärts. Beinahe wie eine fertige Brücke sah also das neue Bauwerk aus – nur lag es eben am Freitagabend noch an Land.
Hermann Schütte vom Wasser- und Schifffahrtsamt Meppen (WSA) steht am Samstag um 9:30Uhr auf der alten Helter Brücke, einen weißen Helm auf dem Kopf, ein Mikrofon in der Hand. Schütte ist Projektleiter für den Brückenbau, hat gemeinsam mit Kollegen monatelang geplant und das Einschwimmen vorbereitet. Jetzt kommentiert er das Geschehen, das die Zuschauer – am Brückengeländer dicht an dicht aufgereiht – miterleben wollen. Eine Gemeinschaftsmaßnahme des WSA, des Landkreises Emsland und der Stadt Meppen sei der fünf Millionen Euro teure Neubau, sagt der Ingenieur, notwendig, weil die alte Brücke baufällig und zu schmal für sicheren Straßenverkehr geworden ist.
Während Schütte sich für die gute Zusammenarbeit aller Stellen bedankt, zerschneidet eine Trennscheibe kreischend Metall, hört man schwere Hämmer auf ein Bauteil einschlagen, Rauschen die Sprechfunkgeräte vieler Männer mit Helm und Warnweste, die auf der Baustelle zu tun haben.
Aber die Brücke liegt still. Was genau die Verantwortlichen noch bis nach elf Uhr am Samstagmorgen machen, erschließt sich dem Beobachter nicht ohne Weiteres. Schütte erklärt: Hier wird der nächste Zug vorbereitet, die Brücke soll 39 Meter weit vom West- zum Ostufer gezogen und auf einem im Kanal schwimmenden Ponton abgesetzt werden. Ist dieser knifflige Moment überstanden und die Brücke dort befestigt, wird sie mit dem Ponton weitergeschleppt in Richtung Widerlager Ost, langsam, aber stetig.
In etwa zur gleichen Zeit steht Karl- Heinz Schäfer am Kanalufer Ost, in Sichtweite des Leichtathletikstadions. Er ist Chef der Firma Schäfer- Bauten, die seit 120 Jahren bundesweit tätig ist. Brücken gehören für die Ibbenbürener zum täglichen Geschäft, und doch ist das Einschwimmen auch für die immer etwas Besonderes. Karl-Heinz Schäfer hat keinen Zweifel, dass das Vorhaben gelingt. Nur wie schnell, „das kann man nie vorhersagen“.
Die Brücke liegt an Land auf sechs sogenannten Montagewippen auf. Schlosser legen hier immer wieder mit Teflon beschichtete Metallplatten nach, über die der Stahlkoloss besonders leicht gleiten kann. „Das ist wie bei einem Schrank mit sechs Füßen, den man ziehen und schieben will, um ihn an einen anderen Platz zu bringen“, sagt Schäfer. Ganz so einfach ist das Vorhaben dann aber wohl doch nicht. Zwischen jedem Zugvorgang wird die Lage der Brücke neu eingemessen – wenn sie aus der vorgesehenen Richtung gerät, muss korrigiert werden.
Um kurz nach 12 Uhr geht es dann weiter. Hermann Schütte vom WSA greift wieder zum Mikrofon. „Sechs Meter in der Stunde schaffen wir in dieser Montagephase“, sagt er, und tatsächlich: Die Brücke bewegt sich sichtbar über das Wasser. Gezogen wird sie von einer Hydraulik, die von Schlosser Dominik Dirksmeier bedient wird. Das Gerät packt vier Stahltrossen und zieht mit ihnen die Brücke etwa 50 Zentimeter an sich heran. Dann lässt sie die Trossen los und setzt vorne erneut an. „Das funktioniert in etwa so wie Tauziehen“, hatte Firmenchef Schäfer erzählt. Gezogen werden nicht die vollen 400 Tonnen, sondern höchstens 20 bis 30 – die Teflon- Platten wirken wie Schmierseife. An der Rückseite wird die Brücke von zwei Stahlseilen gesichert.
Hermann Schütte dankt zwischenzeitlich DLRG, Feuerwehr Meppen und Wasserschutzpolizei, die mit Booten im Einsatz waren für den Fall, dass ein Unfall geschehen oder das Werkzeuge ins Wasser gefallen wären. Aber alles läuft glatt.
Die Montagephasen zwei, drei und vier laufen nun nach Plan. Die Brücke wird auf dem Ponton abgesetzt, festgemacht und dann mit ihm zum Ostufer gezogen. All das dauert Stunden, aber schließlich, um 18:08 Uhr, ertönt ein Schiffshorn: Die Brücke liegt auf dem Widerlager. In dem Applaus der Zuschauer mischen sich anerkennende Kommentare. „Irre, oder?“ war wohl der treffendste.
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